Greenpeace-Magazin, Oktober 2018

Früher war er Ingenieur für Strahlenschutz, heute rettet Thomas Fischer Ackerland, und das gleich hektarweise. Von einem unbequemen Naturschützer, der für seine Überzeugung keinen Konflikt scheut.

Ein schwarzer Pick-up prescht einen steinigen Feldweg hoch, bremst plötzlich ab, Staub wirbelt auf. Die Fahrertür wird aufgerissen, heraus springt Thomas Fischer, Spiegelsonnenbrille, die langen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden, Tattoos.

Er ist Landwirt und ein Mann mit Mission. Sofort geht er in die Hocke und betrachtet den Acker vor ihm: exakt gezogene Furchen, Meter um Meter kahle Erde, kein Grün, kein Insekt, nichts. „Für mich ist das totes Land, vollgespritzt und überdüngt, für alle anderen Lebewesen völlig unbrauchbar“, sagt er. Dann zeigt er auf einen der letzten Bäume, der noch am Feldrand steht. Sein Holz ist aufgerissen und zersplittert, manche der Wunden sind frisch. „Der Bauer fährt den Baum mit seinen schweren Maschinen einfach so lange an, bis der stirbt. Und schon hat er wieder mehr Ackerfläche und mehr Profit.“ Viele Male hat Fischer diesen Prozess schon gesehen. Seine Antwort: Einfach wieder Bäume pflanzen. Mal bekommt er die Erlaubnis der Behörden, mal auch nicht.

Eine Hecke in der „Landwirtschafts-Wüste“.

Weiter rechts hat Fischer ein paar Äcker. Keine kahle Erde, sondern lange und breite Reihen, auf denen er Heckenstreifen angelegt hat. Holunder, Kornelkirschen oder Weißdorn, kleine Bäume wie Wildbirne oder Wildapfel wachsen hier. Zwischen den Hecken stehen noch die Stoppeln des gerade abgeernteten Bio-Wildgetreides. Selbst das scheue Rebhuhn nistet hier. So sieht Fischers Verständnis von Landwirtschaft aus. 2015 bekam er den sächsischen Umweltpreis.

Kleinlich ist Fischer nicht: Bei ihm geht es nicht um einen Baum, sondern um Tausende, die er zusammen mit Baumschulen zurück an die Feldränder pflanzt. Bei ihm geht es auch nicht um einen Hektar, sondern um rund 700, die er bewirtschaftet. Manche als Eigentum, andere gepachtet, manche für seinen Ortsverein der „Grünen Liga“. Wenn ihn andere Bauern anblaffen, er mache alles unordentlich, dann blafft er auch mal ordentlich zurück.

Seine Idee: Wer wirklich etwas für den Naturschutz tun möchte, braucht Land – Ackerland, um genau zu sein. Weil ihm als einstigem Ingenieur für Strahlenschutz die Schreibtischarbeit zu langweilig war – und weil er sich seinem Sohn gegenüber verpflichtet fühlt, eine gesündere Natur zu hinterlassen. Er kauft und pachtet Äcker, legt darauf viele und breite Hecken an und ruft dafür die Förderprogramme des Landes und der EU ab. Andere Äcker lässt er brach liegen oder bepflanzt sie mit bodenverbessernder Gründüngung. Wieder andere Flächen bietet er als Waldausgleichsflächen an. „So bringe ich den Frieden zurück auf die Äcker“, sagt er. Das könne jeder: „Besorgt euch Land, entzieht es der konventionellen Landwirtschaft und schafft so Räume für die Natur.

Von: Karl Grünberg, Greenpeace-Magazin 6/2018