Zeit Magazin Online, Mai 2019

Helmut Loewenstein ist auf den Tag so alt wie die Bundesrepublik Deutschland. Sein Leben erzählt die Geschichte eines Landes, das vor 70 Jahren den Neuanfang suchte. Eine Reportage von Karl Grünberg.

Helmut Loewenstein kam auf die Welt, weil sein großer Bruder gestorben war. Ein Bruder, den er nie kennen gelernt, von dem seine Mutter aber immer erzählt hat. Acht Jahre war dieser Bruder alt, als er an einer Hirnhautentzündung starb. Die Mutter hatte ihn durch die schwere Zeit gebracht, alleine, der Vater im Krieg. Nur um dann hilflos zusehen zu müssen, wie sein Kinderkörper glühte und ihm alles weh tat. An Penicillin war für eine Bauers- und Handwerkerfamilie aus Hude bei Bremen im Jahr 1946 kein Rankommen.

Weil der Bruder starb und es die Mutter, die immerhin schon knapp 40 Jahre alt war, innerlich zerriss, traten zwei neue Loewensteins an seine Stelle: der Ältere schon 1947 und der jüngere, Helmut, dann 1949. „Wir musste einfach noch auf die Welt kommen, waren ihre Wunschkinder, ihre Heilung, so hat es uns unsere Tante erzählt“, sagt Helmut an einem Mittwoch im April fast sieben Jahrzehnte später.

Die beiden Brüder fingen zusammen Aale am kleinen Fluss vor dem Hof, einem Bauernhaus mit moosbewachsenem Reetdach, darin auch die Stellmacherwerkstatt des Vaters, der kurz nach Kriegsende nach Hause gekommen war. Und die beiden Brüder kloppten sich, bis sie bluteten, bis die Nase brach oder die Hand, da gab es kein Pardon. War ja auch nicht schwer, den Helmut in Rage zu kriegen. Wegen seiner Segelohren und was dem Älteren sonst so einfiel. Denn Helmut war einer, bei dem die Gefühle ganz dicht unter der Oberfläche lagen.

Heute wirkt Helmut ruhig, auf den ersten Blick, wie er da sitzt, an seinem Tisch, in seinem Esszimmer, in der Ecke der Kachelofen, beheizt mit Holz aus dem eigenen Wald, selbst gespalten und gestapelt. Aber wenn er redet, reden seine Hände mit. Helmut, klein, schmächtig, ergrautes Haar, die Augen liegen gut geschützt in tiefen Augenhöhlen. Wenn er lacht, spannt sich ein feines Faltennetz über sein Gesicht. Und er lacht viel, wenn er erzählt, wie alles war, wie alles ist.

Heute, sagt er, muss er nicht mehr mit Türen schmeißen, wenn er wütend ist. Doch bis es soweit war, hat er sich mit allen angelegt, mit der Schwiegermutter, der Ehefrau, den Vorgesetzten, Kollegen auf der Arbeit und bei der Feuerwehr. Es musste, wie man so schön sagt, ein Leben ins Land gehen.

Dieses Leben beginnt am 23. Mai 1949, so steht es auf seinem Ausweis, den Helmut Loewenstein gleich zu Beginn des Gesprächs auf die blütenweiße und mit Blumen dekorierte Tischdecke legt. „So, bitte schön, damit auch alles seine Ordnung hat.“

Ordnung ist wichtig in diesem Haus, das Holz liegt sauber und ordentlich unter dem Dach der Garage, die Tassen stehen sauber und ordentlich im Schrank, nur die Tapete ist etwas dunkel, vom Ofenrauch, aber deswegen wird das Esszimmer ja gestrichen, in dieser Woche noch.

Und auch das Datum ist wichtig: Schließlich ist der 23. Mai 1949 auch der Geburtstag des Landes, in das Helmuts Leben gegangen ist. An diesem Montag um 17 Uhr unterzeichnete Konrad Adenauer, damals Präsident des Parlamentarischen Rates, das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

Die Geburtsstunde von Helmut Loewenstein ist nicht überliefert. Wie auch? Bei einer Hofgeburt haben Mutter und Hebamme anderes zu tun, als auf die Uhr zu schauen.

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.“ Artikel 2, Absatz 1. Lesen durfte der kleine Helmut, das erlaubten ihm seine Eltern. Doch erst musste geholfen werden. Kühe hatten sie. Und Enten. Und Hühner. Eine Menge Arbeit, die vorging. Eier suchen, mit dem Pflug das Feld umgraben, ausmisten und melken. Außer im Winter immer barfuß über den Hof, immer schön mit den Füßen in den Dreck rein. Waschen nur an der kalten Pumpe. Nicht schlimm, normal. „Ich bin sicher, dass wir in der Schule auch mal gestunken haben“, sagt Helmut.

„Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.“ Artikel 7, Absatz 1. Aber zur Schule musste man erst mal hin! Erst drei Kilometer in die Grundschule. Dann fünf in die Volksschule. Ob Sommer oder Winter. Immer mit dem Fahrrad. Helmut trug kurze Hosen und im Winter noch Kniestrümpfe dazu, die mit Gummibändern an der Hose befestigt waren. So sahen die Jungs damals aus, lange Hosen waren zu teuer und gingen ständig kaputt.

Nach der Schule dann die Lehre als Zimmermann. Sein Vater wollte ja, dass er zur Bundesbahn oder ins Fernmeldeamt geht, Verbeamtung und Ruhe, aber den ganzen Tag am Schreibtisch, das war Helmut nichts. „Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.“ Artikel 12, Absatz 1. Vor allem aber wollte er Geld verdienen, auf eigenen Beinen stehen, und heiraten. „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“ Artikel 6, Absatz 1.

Besucht man Helmut, besucht man auch Mudel, seine Frau, ein bisschen kleiner als er, ein bisschen jünger als er, kurze blonde Haare. Keine, die sich mit Lippenstift, Schminke und Brillanten auftakeln muss. Eigentlich heißt sie ja Hilde. Aber er mag ihren Namen nicht. Und sie mag ihren Namen auch nicht. Also haben sie sie einfach umgetauft. Vor ihrer Eingangstür steht eine große Holztafel, darauf geschrieben: „Jede Familie hat ihre Geschichte. Willkommen in unserer.“ Er war 18. Sie war 16. Die Geburtstagsfeier eines Freundes. „Ich habe sie gesehen und war weg. Liebe auf dem ersten Blick. Ich kann das gar nicht beschreiben. Ich habe mich dann genähert und sie dabei auch nicht verschreckt. Ich habe sie zum Tanz aufgefordert.“ Marmor, Stein und Eisen bricht. Rolling Stones oder Beatles, das hörten sie nicht.

Mehr als 50 Jahre wachen sie nun Tag für Tag nebeneinander auf.

Mudels Mutter war sehr streng. Bestimmte alles. Forderte viel ein. War ja auch viel zu tun auf dem Hof. Derselbe, auf dem die beiden heute leben. Zehn Hektar Landwirtschaft, heute alles verpachtet. Und Mudel war gut in der Schule. Nach der 8. Klasse bekam sie eine Realschulempfehlung. Doch die Mutter sagte: Nein. Handarbeitslehrerin wäre Mudel gerne geworden. Aber die Mutter sagte: Nein. Dann Frisörin. Nein. Schneiderin? Nein. Du gehst auf eine Haushaltsschule, sagte ihre Mutter. Da lernst du alles, was du brauchst, wenn du dann einen Ehemann und eine Familie hast.

„Ach, schrecklich. Ja, ich hätte mich so gerne entwickelt, aber nein, ich durfte nicht“, sagt Mudel heute. Wenn Mudel schaut, dann meistens lieb. Wenn sie spricht, meistens in ihrem weichen Singsang. Mal ganz hoch, dann wieder tief. Und weil nichts Hartes an ihr ist, muss man genauer nachfragen, was sie mit schrecklich meint. „Es ärgert mich und schmerzt mich, damals nichts aus mir gemacht haben zu dürfen, als Frau, als einzige Tochter“, sagt sie.

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Artikel 3, Absätze 1 und 2. Doch das Grundgesetz ist ja nur das eine, die Umstände waren das andere: Kinder, Haushalt, keine Kita. Eine musste sich um alles kümmern. Es war Mudel, die keine Ausbildung hatte.

Als Helmut 21 war, bekamen sie ihren ersten Sohn. Mit 22 den zweiten. Mit 24 baute Helmut der Familie ein Haus, eigenhändig, so erzählt er das, auf dem Grundstück der Schwiegereltern in Hohenböken, 337 Einwohner. In den Jahren nach 1968, als viele junge Leute auf die Straße gingen und ein Wandel die Republik ergriff, der irgendwann, viel später, auch das Leben von Helmut und Mudel verändern sollte, war Helmut vor allem eins: fleißig.

Demonstrieren war Helmut noch nie. „Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“ Artikel 8, Absatz 1. Helmut wäre auf die Straße, wenn sie den Bremer Flughafen ins Moor gebaut hätten. Haben sie aber nicht. Wählen hingegen war er jedes Mal. Immer die SPD. Bis auf einmal, da hat er bei der CDU sein Kreuz gemacht, da wollte er die große Koalition mit Merkel unterstützen. Ob er heute die Nahles wählen würde? Nein, sagt er. Er rechnet sich dem rechten Flügel der SPD zu. Helmut Schmidt ist sein Kaliber. Einmal war Helmut sogar so weit, in die SPD einzutreten, ging zu den Sitzungen des Ortsverbandes, doch: „Das war so furchtbar, so langatmig und langweilig, rumtüteln und über ungelegte Eier reden, das kann ich nicht. Ich bin pragmatisch. Zack, zack. So läuft das bei mir. Da habe ich meine Politikerkarriere aufgegeben, bevor sie angefangen hat.“

Helmuts Leben, das war die Arbeit. Von Montag bis Freitag überall da, wo es gutes Geld zu verdienen gab, vor allem im nahegelegenen Bremen. Erst als Zimmerer, dann als Einschaler und Betonbauer. „Das war harte Akkordarbeit. Wenn ich fleißig war, mich bewegte, viel geschafft hatte, konnte ich hundert Prozent mehr verdienen“, sagt er. Und darum ging es ihm. Geld verdienen. Ging es nicht um Freude, um Erfüllung? Hat nicht ein Job auch Spaß gemacht? Helmut überlegt. Arbeit ist Arbeit. Fertig.

Arbeit hieß Geld hieß die Familie zu versorgen. Selbst am Samstag stand er im Stellmacherbetrieb seines Bruders und half aus. Schuftete zuletzt 20 Jahre lang am Band von Mercedes. 2006 dann der Ruhestand. Wer mit 14 anfängt zu ackern, kann mit 57 auch aufhören.

Und da war ja nicht nur die Arbeit, die Helmut für Geld machte. Da war auch noch die Freiwillige Feuerwehr. Seit er 17 war. Sein Bruder war dabei, seine Freunde waren dabei, also auch er. In der neuen Wache in Hude hängt noch ein Gruppenfoto von vor 50 Jahren, da ist er drauf. In einem der Schränke steht noch ein alter Pokal, den er und seine Gruppe 1 bei einem der vielen Feuerwehr-Wettkämpfe gewonnen haben. Jede Woche Übungen, zweimal im Monat ernste Einsätze. Am schlimmsten waren die Moorbrände, sagt er. Viel Rauch, weite Wege und kein Ende. Ein alter Kollege von früher ist auch gerade in der Wache. Er erzählt, dass Helmut auch Gruppenführer war, dass er scharf und streng sein konnte, dass es ihm besonders wichtig war, dass die Abläufe stimmten.

So wie Helmut jetzt zwischen diesen neuen funkelnden roten Einsatzwägen steht, mit all der Technik und den Computern, wirkt er etwas verloren. Dann sagt er, stiller und nachdenklicher als sonst: „Erst die Feuerwehr, dann die Arbeit und erst dann die Familie, das waren meine Prioritäten früher. Und sie waren falsch und das weiß ich heute.“

1989 machte Helmut Schluss mit der Feuerwehr, Streit mit der Führung. Helmut, der Hitzkopf, kannte das schon von der Arbeit. Und auch von Mudel, die zu Hause auf ihn wartete, zu lange, zu oft, und dann vorwurfsvoll war, was wiederum den gestressten Helmut auf die Palme brachte: „Wenn ich wütend war, schmiss ich mit den Türen und eigentlich war’s dann bei mir wieder gut. Doch dann war Mudel traurig und bockig und redete Tage nicht mehr mit mir. Und das wollte ich nicht mehr.“ Also änderte er sich.

Als im Herbst ’89 die Mauer fiel, rückten auch Mudel und Helmut dichter zusammen, gingen, ganz konkret, an einem der Tage nach dem 9. November gemeinsam hoch zur Autobahn, standen da und sahen den ganzen Trabis zu, deren Fahrer in den Westen rollten. Für die Menschen war das die Freiheit, da ist sich Helmut bis heute sicher. Wie dann aber die Vereinigung gelaufen ist, findet er nicht gut. „Das war mehr eine Übernahme. Das hätte alles viel langsamer und mit mehr Rücksicht laufen müssen.“

Was aber bedeutete Freiheit für Mudel und Helmut? Lange Jahre war es vor allem das: Die Kinder sollten – anders als sie – das werden, was sie werden wollen. Alle drei Söhne haben das Abitur gemacht. Zwei haben studiert, einer hat sogar einen Doktor in der Chemie.

Im Jahr 2000 war dann endlich Mudels Zeit gekommen. Ein Café wollte sie aufmachen, das Landcafé Loewenstein. Hier auf ihrem Grundstück, im alten Haus der Eltern, dort, wo früher im Winter die Kühe standen. „Eigentum verpflichtet.“ Artikel 14, Absatz 2. Helmut betete nachts, dass sie es sich anders überlegen möge. Er ahnte, was das für eine Arbeit werden würde. Doch heute sagt er: „Das war ich ihr schuldig. All die Jahre – und nun war sie mal dran.“

Sie machte die Pläne für den Raum, er baute ihn. Sie stand in der Küche und buk Kuchen, er kümmerte sich um das Essen zu Hause oder putzte das Café, oder er kaufte ein oder spielte jeden Samstag kleine Sketche und Theaterstücke auf Plattdeutsch für die Gäste, umso mehr, seitdem er offiziell im Ruhestand war. Jetzt war sie die Macherin und er das Rückgrat, Emanzipation in Hohenböken, gut 30 Jahre nach 1968. Das ging 15 Jahre lang. Beliebt war ihr Café, dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, jeden Tag verdrückten die Gäste zehn Torten und Kuchen. Leute aus Oldenburg und Bremen kamen, aber auch von nebenan. Manchmal stand Mudel bis spätnachts am Ofen.

„Das war eine tolle Zeit“, sagt sie. Wehmütig und traurig, so fühlt sie sich, wenn sie heute vor dem Café steht, wenn sie heute reingeht. Denn 2015 war für sie Schluss. Der Rücken ließ sie nicht mehr schlafen, nicht mehr stehen, es war eine Qual und ein Zeichen, nun damit aufzuhören. Das Café ist nun verpachtet, Kuchen gibt’s hier immer noch, die gemütlichen Sofas, die weißen Tischdecken und das feine Geschirr, alles noch da.

Auch Mudels Puppen stehen noch in den Vitrinen. Es sind winzige Unikate mit winziger Kleidung, alles selbst genäht, über Jahrzehnte Knopf für Knopf, mit Anzug und Krawatte, ja selbst mit winzigen Schuhen. Zu Hause stehen sie auch – Puppen, die Szenen aus Emil und die Detektive von Erich Kästner nachstellen. Oder den Sprung des NVA-Soldaten über den Stacheldraht. Preise hat Mudel dafür bekommen. Die Lokalzeitung berichtete. Handarbeitslehrerin, Mudel hätte es sicher gekonnt.

Heute näht Mudel mit Frauen aus Syrien und bringt ihnen dabei Deutsch bei, das Land und auch das Leben haben sich seit 2015 noch mal verändert. „Ohne Sprache und Anschluss hilft ja alles nichts“, sagt sie. Zusammen unterstützen Helmut und sie eine syrische Familie, begleiten sie aufs Amt, organisieren den Umzug. „Uns geht es so gut wie nie zuvor“, sagt Helmut. Warum also nicht helfen? „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“ Artikel 16a, Absatz 1.

Helmut kennt Flüchtlinge noch von früher, aus Pommern und Schlesien, die nach 1945 ihre alte Heimat verlassen mussten. Willkommen waren die in der neuen Heimat nicht, auch wenn sie Deutsche waren. Seine Mutter nahm dennoch eine junge Frau auf, kümmerte sich um sie. Als seine Mutter starb, schickte die junge Frau von damals einen Kondolenzbrief, das weiß Helmut noch, das hat ihn beeindruckt.

Helmut, der Bauernjunge, spielt jetzt mehr Theater, schreibt sogar eigene Stücke auf Plattdeutsch, die werden von einem kleinen Verlag herausgebraucht und auf Feuerwehrbällen im Norden aufgeführt.

Mudel und Helmut machen ihren Urlaub gern in den Bergen oder am Meer. Geflogen sind sie noch nie, sie haben kein Smartphone, essen kaum Fleisch und bauen ihr Gemüse selber an. Im Garten ist die Erde an diesem Tag, ein paar Wochen vor Helmuts Geburtstag, schon umgegraben, der Boden wartet darauf, beackert zu werden, die Kartoffeln zieht Mudel in der Küche in alten Eierpackungen vor.

Sie machen sich Sorgen um die Umwelt, wie sie sich schon in den Achtzigerjahren Sorgen um einen Atomkrieg und dann um Tschernobyl gemacht haben – Mudel wollte damals nach Neuseeland auswandern, Helmut war zu ängstlich. Und sie streiten darüber, ob das große Auto, der Mercedes, nicht endlich wegkann, sie sagen, dass sie von Greta aus Schweden beeindruckt sind, und sie sich sorgen, wie es mit der Welt, mit der Demokratie weitergeht.

Heute, am 23. Mai 2019, wird Helmut 70 Jahre alt. Ein Mann dieses Landes, ein Mann dieser Republik, hinter deren Werten er steht: „Diese Republik, das, was wir hier haben, würde ich heute verteidigen, auch mit der Waffe, wenn es sein muss.“ Und was er genau damit meint, sagt er auch gleich: „Freie Wahlen und unser Land, so wie es ist“, sagt Helmut, „da müssen wir für kämpfen, weil ich mir keinen neuen kleinen Adolf wünsche, wie einer meiner Nachbarn das gerne hätte.“

Helmut Loewenstein war ein Wunschkind. Die Bundesrepublik ist, wenn man so will, auch ein Wunschkind, entstanden aus dem Wunsch nach einer neuen Demokratie, aus der niemand je wieder eine Diktatur machen kann. Helmut hat ihn verinnerlicht.